Auch "Grey's anatomy" gucke ich wirklich gerne - im Fernsehen.
Nicht so viel Bock hatte ich auf ER im wirklich Leben - hey, die Wahrscheinlichkeit das es für die Patienten mindestens so schlimm sein würde wie im Fernsehen, war doch recht hoch, leider.
Ich war heute mit den drei verbliebenden Kindern- Tessa, Nikolas, Lennart - im Fairyland in Oakland. Fiona ist über das Wochenende in einem CISV-Camp in Loma Mar. Nun ist das Fairyland mit Sicherheit so gefährlich wie ein Kinderautositz, denn es richtet sich vornehmlich an Vorschulkinder. Trotzdem hat es Lennart geschafft, nach diesem Sprung
vom Piratenschiff zu sagen, er wäre blöd aufgekommen und sein Fuß täte weh (mehr nicht). Aber dann wurde aus seinem Humpeln Hüpfen auf dem anderen Bein, und obwohl er immer noch nichts sagte oder heulte war klar, da muss ein Arzt drauf gucken. Die haben Sonntags aber auch in den USA zu. Man kann sie aber telefonisch erreichen - aaaah, ich liebe telefonieren auf amerikanisch:
1) beim Arzt angerufen, Automat: 1) Notfall, dann ab in den ER 2) Termin machen außerhalb der Sprechstunde? 3) mit einer Krankenschwester sprechen?
kurz überlegt, 3 gewählt.
Menschliche Stimme unsere Personalien abgefragt, neue Telefonnummer durchgegeben, da anrufen (????)
Nummer angerufen, Daten durchgegeben + eigene Telefonnummer, Rückruf innerhalb von 10 Minuten angekündigt bekommen.
Telefon klingelt nach 4 Minuten. Krankenschwester. Sagt, wir sollen in den nächsten ER fahren. War nicht das was ich hören wollte.
Die Kinder eingesammelt, kurz überlegt und Lennart genötigt hier
drin Platz zu nehmen, da er nur hüpfen konnte, Auto aber weit weg, und ich ihn definitiv nicht tragen konnte. Lennart extrem peinlich berührt, Der Bugaboo hat es aber unbeschadet überstanden (trotz 100% Überladung *schwitz*).
Nächster ER: Children's Hospital Oakland, 8 Minuten.
eingecheckt im Parkhaus ( 1 Stunde 1,50$, max. 7,50$ pro Tag): kurz vor zwei.
rübergehüpft zum ER, erste Erleichterung: schön leer hier.
Rezeptionistin verfrachtet Lennart in den Rollstuhl, prüft Vitalzeichen, dann Warteraum.
(Gott sei Dank, ein Fernseher!!!! die restlichen wartenden - 4 Patienten? - nicht im Bild)
nach 30 Minuten Aufnahme der Personalien, große Entschuldigung, dass es so lange dauert, ab zum Röntgen, 2. Stock).
Selten so laxe Sicherheitsvorkehrungen gesehen beim Röntgen. Ob das gut ist????
Wieder runter, Bescheid gesagt, das wir zurück sind, warten auf Arzt.
Warten.
Warten.
Warten.
Die Fernsehprogramm-Schleife ist einmal durch, als die Ärztin kommt.
Behandlungsraum, Untersuchung, zum 4. mal erzählen was passiert ist (macht Lenni zum Glück selbst), Ärztin verabschiedet sich um sich die Röntgenbilder anzusehen.
Und jetzt kommt der schlimme Teil:
Da sitzt du dann in diesem kleinen, fensterlosen, langweiligen Behandlungsraum UND NICHTS PASSIERT.
Eine Stunde lang.
Und du hast keine Ahnung:
a) sie haben dich vergessen. Tür zu, aus dem Sinn. Sie werden euch erst entdecken, wenn sie eine verstaubte Akte in der Ecke wiederfinden, und dann sind nur noch Skelette übrig.
b) die Ärztin ist gerade - wie im Fernsehen - mit dem Oberarzt im Wäscheraum verschwunden, um ein Schäferstündchen einzulegen.
c) keine Ahnung? 100 neue Notfälle vielleicht, du bekommst in dem kleinen, fensterlosen Raum ganz hinten ja nix mit
Also bin ich nach 60 Minuten in dem kleinen, fensterlosen, Kabuff ganz hintern mal kurz freundlich nachfragen gegangen, ob sie uns vielleicht vergessen haben?
Nein, hätten sie nicht, Ärztin würde gleich kommen. Kam dann auch, mit Kollegen im Schlepptau.
Diagonose: man weiß es nicht. Auf den Röntgenbildern sei nichts zu erkennen
Fuß verarztet
Wir sollen bitte warten, die Krankenschwester (nurse) käme gleich mit Krücken.
Warten,
Warten,
Warten,
Dejà-vue Anflüge, keine Tischkante vorhanden, daher Kopf ----->Tischkante nicht möglich.
Die Kinder, die sich bis dahin wirklich vorbildlich benommen haben, werden unruhig, quengelig. Wir haben alle Hunger und Durst, die Packung Tick-Tack wild cherry die ich noch in meiner Tasche finde, ist in Sekunden weggeputzt, ich habe Kopfschmerzen, wir sind alle gelangweilt, ausgelaugt und wollen nur noch nach Hause.
29 Minuten später steht DER nurse in der Tür - Sam.
Himmel, wenn ich nurse denke, denke ich an eine Frau. Wusste nicht, dass man das einfach so auch für Männer benutzen kann. Muss sofort an Gaylord Focker denken... Gott, ich werde langsam hysterisch.
Der nurse passt Lennart seine Krücken an, demonstriert ihm das richtige Gehen damit, ich unterschreibe unsere Entlassung (18.28 Uhr), und dann verschwinden wir so schnell wir können - daher auch kein Foto von den Krücken.
Am Automaten des Parkhauses darf ich dann auch den Höchstbetrag - 7,50 Dollar - löhnen *seufz*
Auf dem Weg nach Hause krampfhaft und unter Zuhilfenahme unfairer Methoden verhindert, das Nikolas einschläft (weil er sonst jetzt noch nicht im Bett wäre), kurz bei Trader Joe gehalten, um Milch zu kaufen, für alle was schnelles in der Mikrowelle warm gemacht und
Nikolas und Tessa, die seit 7.58 Uh lediglich 3 x 15 Minuten geschlafen hatte sind beide völlig durchgeknallt, Nikolas brüllt noch 30 Minuten wie ein Wahnsinniger im Haus herum - um 21.30 schlafen sie endlich beide.
Hätte ich meine Zähne schon geputzt gehabt, die Mülltonne rausgestellt und den Geschirrspüler an, ich wäre glatt liegen geblieben. Hatte ich aber alles nicht.
Lennart freut sich jetzt schon, dass ich ihn die nächsten Wochen mit dem Auto zur Schule fahren muss. Ich mich nicht.
Bin gespannt, was der Orthopäde dann am Dienstag sagt, und gehe jetzt googeln, wie schlimm ein Bruch der Wachstumsfuge ist.
Schalten sie auch nächste Woche wieder ein, wenn die Ärztin mit dem nurse in der Besenkammer verschwindet und hören Sie die Mutter im Behandlungsraum sagen: So habe ich mir meinen Tag nicht vorgestellt...







